Meine Erfahrung am CWK: Familiäre Atmosphäre

Mein Traum war es schon immer, die allgemeine Hochschulreife zu erreichen und danach zu studieren. Doch damals, auf dem ersten Bildungsweg, wurden mir leider einige Steine in den Weg gelegt, so dass ich erstmal den Weg über die Ausbildung in die Arbeitswelt ging. Meinen Traum hatte ich allerdings niemals aufgegeben und ich arbeitete darauf hin, mein Abitur über das Abendgymnasium nachholen zu können. Währenddessen erfuhr ich aber vom Zweiten Bildungsweg, der mir bis dahin völlig unbekannt war und ich änderte, ohne großartig überlegen zu müssen, meine Meinung. Bis jetzt bereue ich meine Entscheidung nicht, auch wenn das Geld immer viel zu knapp erscheint, und ich werde sie auch mein ganzes Leben lang nicht bereuen, denn am Charlotte-Wolff-Kolleg erhielt ich nicht nur die Aussicht auf mein Abitur, sondern auch, völlig unerwartet, eine kleine, aber feine Familie.

Als ich frisch am Kolleg eingeschult wurde, war ich noch der Meinung, dass ich mich und meine psychischen Probleme verbergen müsste. Doch spätestens nach dem Vorkurs wusste ich, dass ich mich hinter niemandem zu verstecken brauchte. Auch die Angst vor Ausgrenzung, die ich extrem in meinem ersten Bildungsgang erlebt habe, wurde mir sehr schnell genommen. Zwar gibt es, wie immer im Leben, Menschen, mit denen man sich einfach nicht verstehen kann, aber insgesamt herrscht am Charlotte-Wolff-Kolleg eine sehr harmonische Stimmung unter den Kollegiat*innen aller Jahrgangsstufen. Bis zum heutigen Tage habe ich schon mehr Freunde gefunden, als ich am Anfang jemals zu hoffen gewagt hätte.

Auch von den Dozent*innen und der Leitung darf man immer und zu jeder Zeit Hilfe erwarten, was definitiv keine Selbstverständlichkeit ist, zumal man Unterstützung auch außerhalb der Arbeitszeit erhält. Egal welche Probleme ich hatte, ob nun echte oder einfach nur panisch eingebildete – es fand sich immer jemand, der mir ein offenes Ohr schenkte und mir aus jeder kleinen und großen Krise heraushelfen konnte. Niemand hat gelacht und jeder nimmt einen ernst, was für mich persönlich sehr wichtig ist. So wurde mir auch die Angst vor Prüfungen genommen, denn ich weiß, wenn ich Hilfe brauche, werde ich sie bekommen.

Das Charlotte-Wolff-Kolleg ist zwar eine eher kleine Schule, doch umso größer ist der Zusammenhalt. Die familiäre Atmosphäre werde ich nach meinem Schulabschluss wirklich am meisten vermissen, die erforderliche Ausdauer beim Lernen dafür umso weniger. Doch auch die gehört nun mal dazu und es finden sich immer Dozent*innen, die es schaffen, die langweiligen Stoffe mit einer Prise Humor zu würzen und somit dem Gedächtnis helfen, Geschmack daran zu finden. Das Charlotte-Wolff-Kolleg war für mich eine meiner besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe.


TEXT und BILD: Jay Altrock (A46)